Potsdam Projektgruppe 'Mobilität und Klimaschutz'

 

Städte sind bei der Bekämpfung des Klimawandels und der Luftverschmutzung zu wichtigen Akteuren geworden. In den meisten Fällen werden Aktivitäten zum Klimawandel und zur Luftverschmutzung getrennt geplant, doch wir stellen einen Fall aus der Stadt Potsdam vor, bei dem die beiden Themen gemeinsam berücksichtigt wurden. Die Stadt Potsdam initiierte eine Projektgruppe mit dem Titel „Mobilität und Klimaschutz“ zur Evaluierung und Priorisierung geplanter mobilitätsbezogener Maßnahmen unter der Berücksichtigung der Auswirkungen auf eine Vielzahl von Bereichen – einschließlich Klimawandel, Luftqualität und Lärm. Für die Durchführung des Prozesses ging die Stadt eine Partnerschaft mit Wissenschaftlern des IASS-Projekts ClimPol ein, die Fachwissen zum Thema Luftqualität und Klimawandel mit an den Tisch brachten. Bei dem Projekt, das von 2013 bis 2015 dauerte, wurden Vertreter und Perspektiven verschiedener Bereiche der Stadtverwaltung, von der Verkehrsverwaltung bis zum Klimaschutz und zur Öffentlichkeitsarbeit, zusammengebracht. Die Initiative hatte einen wichtigen Einfluss auf die Priorisierung und somit die Umsetzung von Maßnahmen, insbesondere solche in Bezug auf den Verkehr, der im Fokus der Initiative stand. So wirkt sich zum Beispiel eine Maßnahme zur Instandsetzung eines Straßenabschnitts auf die Verkehrsregelung aus, doch darüber hinaus könnte sie -- je nach dem verwendeten Belag -- auch die Lärmbelästigung beeinflussen, aber auch die Luftqualität, wenn der Verkehrsfluss verändert wird, oder die Mobilitätsoptionen, wenn der Bau eines Radwegs Teil des Projekts ist. Die Vielzahl der Auswirkungen der verschiedenen Maßnahmen wurden in dem Projekt evaluiert, um diejenigen mit dem höchsten Nutzen für die größte Anzahl von Zielen herausstellen und priorisieren zu können. Wenn Sie mehr über die Initiative und/oder den Prozess erfahren möchten, können Sie den  betreffenden Artikel lesen (siehe untenstehenden Abstract, Artikel nur in Englisch erhältlich), lesen Sie die Pressemitteilung oder, falls Sie Interesse an einer solchen Zusammenarbeit oder weiteren Informationen haben, wenden Sie sich bitte an Erika von Schneidemesser.

Deutsche Zusammenfassung von ‚An Integrated Assessment Method for Sustainable Transport System Planning in a Middle Sized German City‘                                        in Sustainability 2015, 7, 1329-1354. doi:10.3390/su7021329

Autoren: Schmale, J., von Schneidemesser, E., Dörrie, A.

Eine integrierte Analysemethode zur nachhaltigen Transportsystemplanung in einer mittelgroßen deutschen Stadt

Trotz Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsprogrammen müssen sich Städte in Deutschland mit dem
Problem der erhöhten Belastung des Straßennetzes und der damit verbundenen Umweltbelastungen
auseinandersetzen. Der Transport zu Straße ist zum einen eine bedeutende Quelle von Emissionen in
städtischen Gebieten. Zum anderen hat die Verkehrsinfrastruktur einen entscheidenden Einfluss auf
das Stadtbild. Dennoch ist Mobilität eine Voraussetzung für eine Vielzahl sozialer und ökonomischer
Aktivitäten.
Mit dem Ziel, sowohl diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, als auch nachhaltige Entwicklung in
einer wachsenden Stadt (Potsdam, Deutschland) zu fördern, wurde eine integrierte Analysemethode
entwickelt. Diese Methode sollte Maßnahmen im Verkehrsbereich identifizieren und priorisieren, die
die größten Synergien entfalten. Die Entwicklung und Anwendung erfolgte in einem einjährigen,
transdisziplinären Prozess gemeinsam durch Wissenschaftler des Instituts für
Nachhaltigkeitsforschung IASS und Vertreter der Stadtverwaltung Potsdam.
Die Methode reflektiert die qualitativen und quantitativen Ziele der Stadtverwaltung mit Blick auf die
Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs bei gleichzeitiger Förderung von Nachhaltigkeit. Dabei
sollen Synergieeffekte in verschiedenen Zuständigkeitsbereichen ausgenutzt werden, insbesondere
in den Bereichen Luftqualität, Klimawandel, Lärmbelastung, Verkehrssicherheit, Öko-Mobilität und
Lebensqualität. Der Kern des Ansatzes ist eine Multi-Kriterien-Analyse („multi-criteria analysis“, MCA)
mit welcher Maßnahmenvorschläge nach festgelegten Kriterien bewertet werden und mit welcher
praktische Lösungen lokaler Verkehrs- und Mobilitätsfragen abgeleitet werden können.
Zur Anwendung der Methode bewerteten drei Gruppen unabhängig voneinander über 75
Maßnahmenvorschläge der Kategorien „öffentliche Beziehungen“, „motorisierter Individualverkehr“,
„öffentlicher Nahverkehr“, „Fußverkehr“, „Radverkehr“ und „Sonstiges“ in Hinblick auf ihre Wirkung
in den oben genannten Bereichen. Darauf basierend wurde eine Prioritätenliste erstellt, in der den
Bereichen Luftqualität und Lärmbelastung aufgrund von gesetzlichen Grenzwerten das dreifache
Gewicht gegeben wurde. Klimawirkung, Sicherheit im Straßenverkehr und Öko-Mobilität wurden
doppelt gewichtet, da diese Themen bedeutend für die Entwicklungsziele der Stadt Potsdam sind.
Die sich daraus ergebende Prioritätenliste reflektierte hierbei das hohe Potential von
Synergieeffekten verschiedener Maßnahmen. Das Ergebnis des Prozesses floss bereits in die
verkehrspolitische Planung und in die Haushaltsplanung Potsdams ein und wird auch in Zukunft
genutzt werden.
Die vorliegende Publikation reflektiert den Entwicklungsprozess der Multi-Kriterien-Analyse sowie
verschiedene Aspekte, die sich im Prozess als wichtig und als relevant für eine genauere Betrachtung
herauskristallisiert haben. Die Publikation hat zum Ziel, Prozessinformationen bereitzustellen, um
eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen von Stadtverwaltungen oder ähnliche
transdisziplinäre Bemühungen zu unterstützen. Sie beinhaltet keine Empfehlungen zu spezifischen
Maßnahmen im Verkehrsbereich, da diese je nach örtlichen Gegebenheiten und Rechtslage
entwickelt werden.

Link zum englischen Artikel:

An Integrated Assessment Method for Sustainable Transport System Planning in a Middle Sized German City