ClimPol - Klimawandel und Luftqualität: Forschungsschnittstellen und Wege zur politischen Umsetzung

Überblick

Luftverschmutzung ist derzeit eines der wichtigsten Umweltprobleme weltweit. Laut einer Studie zur globalen Krankheitslast (Global Burden of Disease) wurden im Jahr 2015 4,2 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung im Freien verursacht (Landrigan et al., 2018). Schadstoffe wie Feinstaub mit einem aerodynamischen Durchmesser von weniger als 2,5 μm (PM2,5), Stickoxide (NOx) und troposphärisches Ozon (O3) sind eine Ursache für Krebs, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitige Todesfälle (EEA, 2017; Rückerl et al., 2011). Städtische Gebiete haben aufgrund der hohen Konzentration von Bevölkerung und Emissionen eine relativ höhere Gesundheitsbelastung. Daten aus den Jahren 2015-2017 zeigen, dass in Europa ca. 80% der städtischen Bevölkerung Luftschadstoffkonzentrationen von PM2,5 ausgesetzt waren, die über den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lagen (EEA, 2019). Für Ozon liegt dieser Wert sogar noch höher, nämlich bei ca. 95%. In Deutschland und Europa, ja an vielen Orten weltweit, hängt die schlechte städtische Luftqualität vor allem mit der Mobilität zusammen, wobei die Verkehrsemissionen eine Hauptquelle von Feinstaub (Karagulian et al., 2015) und Stickoxiden, einem wichtigen Ozonvorläufergas, sind (EEA, 2019; Kuik et al., 2018). Trotz Verbesserungen in den letzten Jahren wurde an 40 bis 60% aller Verkehrsmessorten in Deutschland der Luftqualitätsgrenzwert für Stickstoffdioxid überschritten (Minkos, Dauert, Feigenspan, & Kessinger, 2019). Dies ist jedoch nicht nur in Deutschland der Fall; das Problem ist nach wie vor in ganz Europa weit verbreitet, wobei Überschreitungen auf dem gesamten Kontinent und fast alle Überschreitungen an Verkehrsstationen registriert werden (EEA, 2019).

Grenzwerte für die Luftqualität dienen dem Schutz der menschlichen Gesundheit. Aufgrund der jahrelangen Nichteinhaltung zwingen die Beschwerden und Maßnahmen der Europäischen Kommission die Städte nun dazu, ihre Luftqualitätsaktionspläne neu zu bewerten und gegebenenfalls drastische Maßnahmen, einschließlich Verbote für Dieselfahrzeuge, in Betracht zu ziehen, um die Grenzwerte einzuhalten und die öffentliche Gesundheit zu schützen (EC, 2018). Die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen wird in der Regel auf der Grundlage von Modellsimulationen bewertet. Diese Schätzungen sind jedoch aufgrund des Mangels an zuverlässigen Messdaten mit angemessener Auflösung und Abdeckung in den Städten für den kleinen Maßstab, in dem sie relevant sind, unsicher. In ClimPol schließen wir diese Forschungslücke, indem wir neue kleine Sensorsysteme zur Messung der Luftqualität einsetzen, um Datensätze der städtischen Luftverschmutzungsverteilung mit einer höheren räumlichen und zeitlichen Abdeckung zu generieren, einschließlich der Quantifizierung der Rolle der Infrastruktur- und Mobilitätspolitik bei der Luftverschmutzungskonzentration.

Die Luftverschmutzung verursacht der Europäischen Region zudem erhebliche wirtschaftliche Kosten in der Größenordnung von 1,4 Billionen USD jährlich (Stand 2010) (OECD, 2015). Darüber hinaus sind Luftqualität und Klimawandel miteinander verbunden, da eine Reihe von Luftschadstoffen ebenfalls kurzlebige klimawirksame Schadstoffe (SLCPs) sind. Daher haben Versuche, Probleme mit schlechter Luftqualität anzugehen, oft den zusätzlichen Nutzen, den Klimawandel abzuschwächen und umgekehrt (Kopp et al., 2010; Melamed et al., 2016).

In Anbetracht der erheblichen Bedeutung der Mobilität für die Luftqualität und der daraus resultierenden gesundheitlichen Auswirkungen sowie des Zusammenhangs mit dem Klimawandel ist es klar, dass ein Wandel hin zu einer nachhaltigen Mobilität, insbesondere in den Städten, erforderlich ist. Wenn eine signifikante Reduzierung der Emissionen aus dem Verkehrssektor erreicht werden soll, muss außerdem eine Änderung des derzeitigen Verkehrsverhaltens erfolgen.

Um eine gesellschaftliche Transformation in eine nachhaltige Zukunft zu ermöglichen, ist eine Bewusstseinsänderung und konkretes Handeln nicht nur in der Wissenschaft oder Politik gefragt, sondern auch auf der Ebene jedes Einzelnen. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich ClimPol auf die wissenschaftlichen Grundlagen und die Wege zur Politikumsetzung, um den notwendigen Mobilitätswandel in städtischen Gebieten für nachhaltige, lebenswerte Städte zu unterstützen und mitzugestalten. Um dies in der Praxis umzusetzen, verfolgt das Projekt einen transdisziplinären Ansatz an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Das heißt die Forscher arbeiten während des gesamten Forschungsprozesses mit Akteuren aus Politik und Zivilgesellschaft zusammen, unterstützen den Dialog zwischen Politikern, Öffentlichkeit und Wissenschaft und fördern so das öffentliche Bewusstsein.

ClimPol ist derzeit in drei Hauptbereichen aktiv:

  • Unterstützung einer koordinierten, wissenschaftlich fundierten Politikentwicklung in Deutschland und der EU
  • Wissenschaftliche Forschung, einschließlich der Zusammenarbeit mit der internationalen Forschungsgemeinschaft
  • Förderung des Bewusstseins durch Kommunikation und öffentliches Engagement

 

 

Konkretere Beispiele, wie dies in der Praxis umgesetzt wird, finden Sie unter "Aktivitäten" in unseren aktuellen und vergangenen Projekten.

 

Literaturverzeichnis

EEA, 2019. Air quality in Europe - 2019 report. European Environment Agency, Luxembourg.

European Commission. (2018). Commissioner Vella calls air quality ministerial summit on 30 January , and announces new measures to help Member States comply with environmental laws. Retrieved from http://europa.eu/rapid/press-release_IP-18-348_en.htm

Karagulian, F., Belis, C.A., Dora, C.F.C., Prüss-Ustün, A.M., Bonjour, S., Adair-Rohani, H., Amann, M., 2015. Contributions to cities' ambient particulate matter (PM): A systematic review of local source contributions at global level. Atmospheric Environment 120, 475-483.

Kopp, R. E., Mauzerall, D. L., Chameides, W. L., & Wilson, D. A. (2010). Assessing the climatic benefits of black carbon mitigation. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America107(26), 11703–11708. Retrieved from http://www.jstor.org/stable/20724136

Kuik, F., Kerschbaumer, A., Lauer, A., Lupascu, A., von Schneidemesser, E., Butler, T.M., 2018. Top–down quantification of NOx emissions from traffic in an urban area using a high-resolution regional atmospheric chemistry model. Atmos. Chem. Phys. 18, 8203-8225.

Landrigan, P.J., Fuller, R., Acosta, N.J.R., Adeyi, O., Arnold, R., Basu, N.N., Balde, A.B., Bertollini, R., Bose-O'Reilly, S., Boufford, J.I., Breysse, P.N., Chiles, T., Mahidol, C., Coll-Seck, A.M., Cropper, M.L., Fobil, J., Fuster, V., Greenstone, M., Haines, A., Hanrahan, D., Hunter, D., Khare, M., Krupnick, A., Lanphear, B., Lohani, B., Martin, K., Mathiasen, K.V., McTeer, M.A., Murray, C.J.L., Ndahimananjara, J.D., Perera, F., Potocnik, J., Preker, A.S., Ramesh, J., Rockstrom, J., Salinas, C., Samson, L.D., Sandilya, K., Sly, P.D., Smith, K.R., Steiner, A., Stewart, R.B., Suk, W.A., van Schayck, O.C.P., Yadama, G.N., Yumkella, K., Zhong, M., 2018. The Lancet Commission on pollution and health. Lancet 391, 462-512.

Melamed, M. L., Schmale, J., & von Schneidemesser, E. (2016). Sustainable policy - key considerations for air quality and climate change. Current Opinion in Environmental Sustainability23, 85–91. https://doi.org/10.1016/j.cosust.2016.12.003

Minkos, A., Dauert, U., Feigenspan, S., Kessinger, S., 2019. Air Quality 2018 Preliminary Evaluation. Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau.

Rückerl, R., Schneider, A., Breitner, S., Cyrys, J., Peters, A., 2011. Health effects of particulate air pollution: A review of epidemiological evidence. Inhal Toxicol 23, 555-592.

WHO Regional Office for Europe OECD. (2015). Economic cost of the health impact of air pollution in Europe: Clean air, health and wealth. European Environment and Health Processes, 1–54.