Deutsche Umwelthilfe und IASS geben Empfehlungen zu bodennahem Ozon (Oktober 2015)

Ozon zählt neben Feinstaub zu den Hauptverursachern von Gesundheitsschäden durch starke Luftverschmutzung. Die bestehenden Gesetze und Vorgaben reichen nicht aus, um die Ozonkonzentration dauerhaft auf ein Niveau zu bringen, das seine schädlichen Wirkungen verringert. Über eine Revision der Richtlinie über Emissionshöchstmengen (National Emission Ceilings Directive, NECD) stimmte das europäische Parlament am Mittwoch, 28. Oktober 2015,  ab. Vorab haben das IASS und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) dafür im IASS Policy Brief „Bodennahes Ozon – das unterschätzte Problem“ entsprechende Politikempfehlungen erarbeitet und diese an die  EU-Abgeordneten verteilt. Darin informieren sie nach aktuellem wissenschaftlichem Stand über die Auswirkungen von bodennahem Ozon auf die menschliche Gesundheit, Ökosysteme und Volkswirtschaften und raten zu folgenden Maßnahmen:

Empfehlung 1: Um die Ozonkonzentration so schnell und effizient wie möglich zu verringern, müssen die  Vorläuferstoffe Stickstoffoxide (NOx), flüchtige organische Verbindungen (NMVOCs) und Methan reduziert werden. Die bereits erfolgte Reduzierung von Vorläufersubstanzen hat nicht in ausreichendem Umfang zu einer Reduktion der Ozonkonzentration geführt. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten, die umzusetzen sind:

  •    Überarbeitung der DecoPaint-Richtlinie und der EU-Lösemittelrichtlinie, um eine Reduzierung der VOC-Emissionen zu erreichen.
  •     Regelung zur Überprüfung der NOx-Realemissionen im Straßenverkehr – nicht nur an Prüfständen – mit Fahrverboten für hochemittierende Fahrzeuge (Abgasnormen).
  •     Verankerung eines Methangrenzwerts in der EU-Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen (NEC).
  •     Konkrete Methanminderungsverpflichtungen im Klima- und Energiepaket 2030 der EU (für die Landwirtschaft).

    
Empfehlung 2: Die öffentliche und politische Wahrnehmung der hohen Belastung  von Umwelt und Gesundheit durch bodennahes Ozon soll verbessert werden, damit das Thema wieder auf die politische Agenda gesetzt wird. Legt man den Ozonzielwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugrunde, kommt es praktisch in allen Regionen Europas zu einer Schädigung der menschlichen Gesundheit. Dies führt zudem zu volkswirtschaftlichen Schäden durch Belastung des Gesundheitssystems. Des Weiteren hat Ozon negative Auswirkung auf Ökosysteme, welche zu größeren wirtschaftlichen Schäden, wie zum Beispiel Ertragsminderungen in der Landwirtschaft, führen. Trotz dieser negativen Auswirkung fehlt eine intensive öffentliche Diskussion über Ursachen, Quellen, Wirkung und Schäden. Eine öffentliche Diskussion und dadurch entstehender öffentlicher Druck wird dazu führen, die politische Wahrnehmung zu verbessern, so dass die Politik weitergehende Maßnahmen zu Minderung beschließt und auch in die Realität umsetzt. Nur so können in Zukunft Schäden an Umwelt und Gesundheit abgewendet werden.

Empfehlung 3: Zusätzliche Grundlagenforschung zur Entstehung und Wirkung von Ozon sowie dessen Auswirkungen auf Klima, menschliche Gesundheit und Umwelt sollte gefördert werden, um die notwendigen Anstrengungen zur Minderung der Ozonkonzentration noch besser wissenschaftlich zu unterstützen.  Ozon zählt bereits laut aktuellen Forschungsergebnissen neben Feinstaub zu den wichtigsten und schädlichsten Luftschadstoffen in Europa. Darüber hinaus werden aufgrund erster Forschungsergebnisse noch zahlreiche zusätzliche negative Wirkungen vermutet, die die Bedeutung der Reduktion von Ozon für Umwelt, Klima und Mensch noch weiter unterstreichen. Zudem besteht noch Forschungsbedarf zu den vielseitigen Wechselwirkungen der Vorläuferstoffe untereinander und damit der Entstehung von Ozon, damit die Minderung von Stickoxiden und VOCs in Zukunft zu einer deutlich weitergehenden Reduktion der Ozonkonzentration führt und damit Mensch, Umwelt und Klima geschützt werden.